Arbeitsschritte

Laufradbau: Ausmessen der Komponenten für die Berechnung der Speichenlänge
Speichenlänge

Um die richtigen Speichenlängen ausrechnen zu können, benötigt man den ERD (=Effective Rim Diameter) der Felge sowie folgende Masse der Nabe:

  • Flanschabstand zur Nabenmitte linke und rechte Seite

  • Durchmesser Teilkreis links und rechts

  • Durchmesser der Speichenloch-Bohrungen

  • Anzahl Speichenlöcher

Mit diesen Angaben und zusätzlich noch der Anzahl Speichenkreuzungen lässt sich die Speichenlänge mit einem der verfügbaren Speichenrechnern einfach berechnen. Ich nutze zu diesem Zweck immer den DT Swiss Speichenkalkulator.

Vorbereitung

In der Vorbereitung öle oder fette ich die Speichengewinde und Nippelsitze. Ich rate davon ab, ein Laufrad trocken aufzubauen, da es vor allem bei hohen Speichenspannungen schwierig bis unmöglich wird, die Nippel noch zu drehen, ohne dass dabei auch die Speichen verdreht werden (=Spoke Twist). Ebenfalls schützt diese Vorbereitung vor Korrosion am Gewinde.

Laufradbau: Vorbereitung, Fetten vom Nippelsitz
Laufradbau: Speichenkreuzungsvarianten
Einspeichen

Anleitungen, wie man Fahrradfelge von Hand einspeicht, findet man genügend im Internet. Im Grundsatz ist es einfach, und man merkt schnell, wenn man einen Fehler gemacht hat. Dabei spielt es nicht unbedingt eine Rolle, ob man 4-fach, 3-fach oder 2-fach einspeicht, das Prinzip bleibt immer das selbe.

Ich persönlich speiche bei 32 Speichen immer 3-fach, bei 28 Speichen entweder 3-fach oder 2-fach, und bei 24 Speichen immer 2-fach ein.

Felgengebremste Vorderräder lassen sich auch radial einspeichen, sofern die Nabe dafür freigegeben ist.

Schläge korrigieren

Einen Seitenschlag bezeichnet man umgangssprachlich als eine Acht. Um dies zu korrigieren, muss man den Ort finden, wo der Schlag am stärksten ist und dort die dazugehörige Speichen entweder anziehen oder lockern. Dies wiederholt man so lange, bis die Seitenschläge in akzeptablen Toleranzen liegen.

 

Als Höhenschlag bezeichnet man eine Abweichung der Form vom Rad. Es ist also nicht rund, sondern ähnelt dann eher einem Oval. Um einen Höheschlag zu korrigieren, müssen in der Regel mehrere Speichen entweder angezogen oder gelöst werden.

Da dies in Textform schwierig ist zu erklären, verlinke ich hier ein Youtube Video von Parktool, in dem das Zentrieren gut erklärt wird.

Laufradbau: Laufrad zentrieren mit einem Nippelspanner
Speichenspannung angleichen
Laufradbau: Speichenspannung mit Tensiometer kontrollieren

Nachdem man die Schläge herauszentriert hat, gilt es, die Speichenspannung auszugleichen. Es kann nämlich gut sein, dass diese in diesem Stadium noch recht unterschiedlich sind. Beim Ausgleichen ist es ratsam, immer nur eine Seite zu bearbeiten. Die Spannung angleichen geht am schnellsten, in dem man den Ton vergleicht, die die Speichen machen, wenn man an ihnen zupft (umso höher der Ton, umso höher die Spannung). Um es genauer zu haben, kann man ein Tensiometer zu Hilfe nehmen. Wenn man eine Speiche mit hörbarer zu hoher Spannung findet, wird eine oder zwei der benachbarten Speichen vermutlich eine zu tiefe Spannung haben. Man löst also eine Speiche und zieht die andere an. Dabei sollte es idealerweise zu keinem neuen Seitenschlag kommen, aber wenn doch, werden diese wieder herauszentriert.

Mittigkeit kontrollieren

Sobald die Schläge korrigiert und die Speichenspannung angeglichen ist, sollte die Mittigkeit mit einer Zentrierlehre gemessen werden. Hat man bei der Speichenlängen-Berechnung keine Fehler gemacht (und die richtige Länge auf der richtigen Seite benutzt), sollte der Fehler klein sein. Die Mittigkeit korrigiert man, in dem man alle Speichen einer Seite anzieht oder löst, je nach dem wie hoch die allgemeine Speichenspannung bereits ist. Es empfiehlt sich, die Mittigkeit zu korrigieren, wenn die Speichenspannung noch nicht allzu hoch ist.

Laufradbau: Messen der Mittigkeit mit einer Zentrierlehre
Speichenspannung erhöhen
Laufradbau: Abdrücken vom Laufrad

Zu diesem Zeitpunkt sollte das Rad schlagfrei, mittig und die Speichenspannung zwischen den Speichen ausgeglichen sein. Jetzt kann man beginnen, die Speichenspannung gleichmässig zu erhöhen, in dem man alle Speichenippel einer Seite um den gleichen Betrag anzieht. Beim Hinterrad müssen die Speichen auf der Antriebsseite, beim Vorderrad die Speichen auf der Scheibenbremsseite ein wenig mehr angezogen werden, weil dort die Speichen steiler stehen. Bei hohen Speichenspannungen kann es passieren, dass sich die Speichen verdrehen, da die Reibung zu gross ist (=Spoke Twist). Dem kann man entgegenwirken, in dem man beim anziehen ein wenig überdreht und dann zurückdreht. Ebenfalls muss das Laufrad einige Male abgedrückt werden, damit sich die Speichen setzen können. Beim Abdrücken kann es vorkommen, das wieder leichte Schläge entstehen, die wieder herauszentriert werden müssen.

Fertiges Laufrad

Sobald die Speichenspannung hoch genug und das Rad auch nach dem abdrücken Schlagfrei bleibt, ist das Laufrad fertig.

 

Meine Toleranzen für den Laufradbau sind:

Seitenschlag: +- 0.1mm

Höhenschlag: +- 0.2mm

Relative Speichenspannung: +- 5%

Laufradbau: Grafische Darstellung der Speichenspannung